Kyō-Porzellan

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Einleitung

Kyō-Ware (京焼, Kyō-yaki) ist der Sammelbegriff für Keramik aus Kyoto und Umgebung. Sie spiegelt die lange Rolle der Stadt als kaiserliche und kulturelle Hauptstadt wider, wo Brennkunst, malerische Dekoration und die raffinierte Ästhetik des Hofes zu einer unverwechselbaren Keramiktradition verschmolzen.

Innerhalb dieser umfassenderen Kategorie bezeichnet Kiyomizu-Ware (清水焼, Kiyomizu-yaki) die bedeutendste Kyotoer Linie, deren historisches Zentrum das Gojo-zaka- und Kiyomizu-dera-Tempelgebiet bildete. Obwohl die beiden Begriffe in westlichen Quellen gelegentlich synonym verwendet werden, besteht in der modernen Forschung eine klare Unterscheidung: Kyō-Ware umfasst das gesamte Spektrum der Kyotoer Keramikproduktion, während Kiyomizu-Ware eine ihrer führenden Schulen repräsentiert.

Geschichte

Die Herstellung von Kyō-Keramik begann in der späten Momoyama-Zeit (Ende des 16. Jahrhunderts) und erlebte ihre Blütezeit während der Edo-Zeit. Kyoto, als Kaiserstadt und kulturelles Zentrum Japans, zog Kunsthandwerker und Teemeister an, die die Entwicklung raffinierter Keramiktraditionen förderten.

Die Töpfer von Kyoto waren nicht wie in vielen anderen Keramikzentren auf lokale Tonvorkommen angewiesen. Stattdessen importierten sie Rohmaterialien aus verschiedenen Regionen, was ihnen ermöglichte, mit einer Vielzahl von Formen, Glasuren und Dekorationen zu experimentieren. Dies führte zu einer äußerst vielfältigen und innovativen Keramiktradition, die sich oft durch Eleganz und aufwendige Verzierungen auszeichnet.

Merkmale

Kyō-Keramik ist vor allem bekannt für:

  • Feine, filigrane Formen und dünne Wände.
  • Reich bemalte Aufglasurmalereien („Akae“) und die Verwendung von Gold und Silber.
  • Große stilistische Vielfalt, von Utensilien für die Teezeremonie über Alltagsgefäße bis hin zu Dekorationsgegenständen. * Starker Fokus auf Kunstfertigkeit und individuellem Ausdruck statt Massenproduktion.

Aufgrund der engen Verbindung zur kulturellen Elite Kyotos spiegelt Kyō-Keramik oft eine verfeinerte Ästhetik, höfischen Geschmack und Einflüsse aus der Malerei und Lackkunst wider.

Kiyomizu-Keramik

„Kiyomizu-yaki“ ist eine bedeutende Untergruppe der Kyō-Keramik und wird im Higashiyama-Viertel nahe dem Kiyomizu-dera-Tempel hergestellt. Im 17. Jahrhundert erlangten die Kiyomizu-Werkstätten besondere Berühmtheit für ihre farbenfroh bemalten Porzellane im Stil von Nonomura Ninsei und Ogata Kenzan, zwei einflussreichen Töpfern aus Kyoto.

Auch heute noch wird Kiyomizu-Keramik produziert, von traditionellem Teegeschirr über modernes Tafelgeschirr bis hin zu künstlerischer Keramik. Die Region ist nach wie vor ein lebendiges Zentrum der Keramikproduktion, in dem Tradition und Innovation harmonisch zusammenfließen.

Bedeutende Künstler

  • Nonomura Ninsei – gilt als Begründer der dekorativen Tradition der Kyō-Keramik.
  • Ogata Kenzan – berühmt für seine malerischen Designs und die Zusammenarbeit mit seinem Bruder, Ogata Kōrin.
  • Okuda Eisen – wichtig für die Entwicklung des Kyoto-Porzellans in der späten Edo-Zeit.

== Gegenwart == Kyō-Keramik und Kiyomizu-Keramik werden weiterhin hoch geschätzt, sowohl als Gebrauchskeramik als auch als Kunstobjekte. Zeitgenössische Töpfer aus Kyoto entwickeln ihre Techniken stetig weiter und bewahren gleichzeitig die Tradition durch Workshops, Ausstellungen und die Zusammenarbeit mit Teeschulen. Das Viertel um den Kiyomizu-dera ist nach wie vor gesäumt von Töpferläden, die Werke aus lokalen Brennöfen verkaufen.

Siehe auch

Literaturverzeichnis

  • Richard L. Wilson, „Inside Japanese Ceramics: A Primer of Materials, Techniques, and Traditions“. Weatherhill, 1995.
  • Hugo Münsterberg, „The Ceramic Art of Japan“. Tuttle Publishing, 1957.