Kategorie:Taishō-Zeit

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Die Taishō-Zeit (jap. 大正時代, Taishō jidai) umfasst den Zeitraum von 1912 bis 1926 n. Chr. und gilt als eine Phase politischer Liberalisierung, kultureller Erneuerung und wachsender gesellschaftlicher Partizipation. Sie folgt auf die Meiji-Zeit und geht der Shōwa-Zeit voraus. Trotz ihrer vergleichsweise kurzen Dauer prägt die Taishō-Zeit das moderne kulturelle Selbstverständnis Japans in vielerlei Hinsicht.

Historischer Rahmen

Die Epoche beginnt mit der Thronbesteigung von Kaiser Taishō (1912). Politisch und gesellschaftlich ist sie durch mehrere Entwicklungen gekennzeichnet:

  • Taishō-Demokratie – eine Periode relativer politischer Offenheit und Parlamentarisierung,
  • wirtschaftliches Wachstum und Urbanisierung,
  • Beginn der Massenkultur und Popularisierung westlicher Lebensstile,
  • Ausweitung des Bildungswesens,
  • zunehmende gesellschaftliche Mobilität,
  • Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf Wirtschaft und Außenpolitik Japans.

Obwohl innenpolitische Spannungen bestehen, erlebt das Land einen kulturell dynamischen und experimentellen Zeitabschnitt.

Gesellschaft und Staat

Die Taishō-Zeit wird oft als Übergangsphase zwischen traditioneller Gesellschaft und moderner urbaner Lebenswelt verstanden.

  • Parlament und politische Parteien gewinnen an Macht,
  • Presse, Literatur und neue Medien beeinflussen öffentliche Debatten,
  • Frauenbewegungen, Arbeitervereine und Jugendkultur gewinnen Sichtbarkeit,
  • große Städte wie Tōkyō und Ōsaka werden Zentren moderner Lebensstile.

Gleichzeitig führen wirtschaftliche Krisen in den 1920er Jahren zu sozialen Spannungen, die in der folgenden Epoche an Bedeutung gewinnen.

Materielle Kultur und Handwerk

In der Taishō-Zeit entstehen neue Designströmungen, die traditionelle Handwerkskunst mit westlicher Moderne kombinieren.

Keramik

  • Aufkommen neuer Formen mit klaren Linien und experimentellen Glasuren,
  • Weiterentwicklung regionaler Keramiktraditionen (Mashiko, Mino, Karatsu),
  • Beginn des Mingei-Impulses – hin zur Anerkennung volkstümlicher Handwerkskunst.

Lackkunst

  • Kombination traditioneller maki-e-Techniken mit modernen Motiven,
  • Produktion für städtische Märkte und neue Konsumenten,
  • erste Versuche, Lackkunst als modernes Designmedium zu etablieren.

Metallhandwerk

  • Herstellung dekorativer Metallobjekte im Art-Déco-Stil,
  • Verflechtung traditioneller Techniken (z. B. kinkō) mit industriellen Produktionsprozessen.

Textilien

  • Einfluss westlicher Mode,
  • Entstehung neuer Muster, Farbkombinationen und industrieller Stoffe,
  • frühe Kooperationen zwischen Künstlern und Textilherstellern.

Mingei-Bewegung

Ein wichtiger kultureller Impuls der Taishō-Zeit ist die Entstehung der Mingei-Bewegung (Volkskunstbewegung), initiiert von Yanagi Sōetsu und unterstützt von Kunsthandwerkern wie Hamada Shōji und Kawai Kanjirō.

Kernideen:

  • Wertschätzung traditioneller, regionaler Handwerkskunst,
  • Betonung von Einfachheit, Funktionalität und natürlicher Schönheit,
  • Abgrenzung von industrialisierter Massenware,
  • Rückbesinnung auf handwerkliche Authentizität.

Dieser Impuls prägt das Kunsthandwerk bis in die Moderne.

Literatur und Kunst

Die kulturelle Landschaft der Taishō-Zeit ist vielfältig:

  • moderne Literaturbewegungen (shirakaba-ha),
  • avantgardistische Kunstströmungen,
  • Theaterreformen,
  • Aufkommen des japanischen Films,
  • wachsende Popularität von Zeitschriften und Massenmedien.

Bedeutung der Taishō-Zeit

Die Taishō-Zeit prägt die japanische Moderne durch:

  • Demokratisierungsimpulse und gesellschaftliche Öffnung,
  • Verbindung von Tradition und Moderne in Kunst und Handwerk,
  • Entstehung der Mingei-Bewegung,
  • Entwicklung urbaner Konsum- und Lebensstile,
  • Vorbereitung zentraler kultureller Trends der frühen Shōwa-Zeit.

Trotz ihrer Kürze gilt die Epoche als ein bedeutender Abschnitt der kulturellen und künstlerischen Modernisierung Japans.

Literatur und Quellen

  1. Fachliteratur zur Taishō-Demokratie und gesellschaftlichen Entwicklungen.
  2. Studien zu Kunst-, Design- und Handwerksströmungen des frühen 20. Jahrhunderts.
  3. Ausstellungskataloge zur Mingei-Bewegung und zur materiellen Kultur der Taishō-Epoche.