Kategorie:Kamakura-Zeit

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Die Kamakura-Zeit (jap. 鎌倉時代, Kamakura jidai) umfasst den Zeitraum von 1185 bis 1333 n. Chr. und markiert den Beginn des japanischen Mittelalters. Ihren Namen erhielt die Epoche von der Stadt Kamakura, die zum politischen Zentrum des ersten japanischen Militärregimes, des Kamakura-Shogunats, wurde. Mit dieser Epoche tritt die Militäraristokratie (buke) endgültig an die Spitze der politischen Ordnung.

Die Kamakura-Zeit folgt auf die Heian-Zeit und ist geprägt von politischen Umbrüchen, der Festigung der Samurai-Kultur sowie tiefreichenden gesellschaftlichen und religiösen Entwicklungen.

Historischer Rahmen

Die Epoche beginnt mit dem Sieg des Minamoto-Clans im Genpei-Krieg (1180–1185) über den Taira-Clan. Der siegreiche Minamoto no Yoritomo etabliert das Kamakura-Shogunat, das als militärische Gegenmacht zum Kaiserhof fungiert.

Prägende Ereignisse und Entwicklungen:

  • Errichtung des Kamakura-Shogunats (1185), später formell legitimiert (1192),
  • Aufstieg der Samurai als verantwortliche militärische und administrative Elite,
  • Doppelte Machtstruktur – Militärregierung in Kamakura und der weiterhin existierende Kaiserhof in Kyōto,
  • Einfluss der Hōjō-Regenten, die de facto die politische Kontrolle übernehmen,
  • Abwehr der mongolischen Invasionen (1274 und 1281), ein zentraler Moment der japanischen Geschichte,
  • zunehmende wirtschaftliche und soziale Veränderungen in den Provinzen.

Die Epoche endet 1333 mit dem Sturz des Shogunats durch kaiserliche und regionale Kräfte.

Gesellschaft und Staat

Die Kamakura-Zeit bringt ein völlig neues politisches Modell hervor:

  • ein Militärregime, das auf Lehenspflichten, Treueverhältnissen und samuraispezifischen Rechtsnormen basiert,
  • erstmalige Ausarbeitung eines eigenen Kriegerrechts (goseibai shikimoku, 1232),
  • Stärkung regionaler Grundbesitzerfamilien und lokaler Militärverwalter (jitō, shugo),
  • wachsender Einfluss buddhistischer Schulen, die auf persönliche Praxis und moralische Verantwortung ausgerichtet sind.

Während der Kaiserhof weiterhin zeremonielle und kulturelle Funktionen bewahrt, liegt die praktische Macht beim Shogunat und seinen Militärbeamten.

Religiöse Entwicklungen

Die Kamakura-Zeit gilt als eine Erneuerungsphase des japanischen Buddhismus. Mehrere neue Schulen entstehen oder gewinnen stark an Einfluss:

  • Jōdo-shū (Schule des Reinen Landes),
  • Jōdo Shinshū,
  • Rinzai-Zen,
  • Sōtō-Zen,
  • Nichiren-Schule.

Diese Richtungen sprechen breitere soziale Schichten an als der frühere höfische Buddhismus und prägen das religiöse Leben nachhaltig.

Materielle Kultur und Handwerk

Die Kamakura-Zeit zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu robusten, kraftbetonten und realistischen Ausdrucksformen, was eng mit dem militärischen Zeitgeist verknüpft ist.

  • Buddhistische Skulptur: Realistische Darstellungen, oft expressiv ausgearbeitet; berühmte Werke stammen von der Kei-Schule (z. B. Unkei und Kaikei).
  • Rüstung und Waffen: Weiterentwicklung von Lamellenrüstungen, Bögen, Pfeilen sowie Schwertern (Katana, Tachi). Die Schmiedekunst erlebt eine Hochblüte.
  • Lackkunst: Kriegerische Ausstattung und religiöse Objekte zeigen hochwertige Lackarbeiten, häufig robust und funktional.
  • Holzarchitektur: Wiederaufbau großer Tempelanlagen, darunter auch jene, die nach den mongolischen Angriffen beschädigt wurden. Importierte oder adaptierte Zen-Architektur beginnt, an Bedeutung zu gewinnen.
  • Textilproduktion: Herstellung funktionaler Stoffe für Kriegerausrüstung und repräsentative textile Elemente für religiöse Zeremonien.
  • Keramik: Provinzielle Brennöfen entwickeln charakteristische Stile; Kontinentaleinflüsse bleiben spürbar.

Die materielle Kultur der Zeit ist geprägt von Praktikabilität, religiöser Intensität und der Ästhetik einer militärisch geprägten Gesellschaft.

Bedeutung der Kamakura-Zeit

Die Epoche besitzt langfristige historische Bedeutung:

  • erstes dauerhaftes Militärregime Japans,
  • Entstehung und Festigung der Samurai-Kultur,
  • neue religiöse Strömungen prägen das spirituelle Leben,
  • Entwicklung von Kunst- und Handwerksformen, die von Realismus und funktionaler Ästhetik bestimmt sind,
  • Beginn der politischen Entwicklungen, die das japanische Mittelalter prägen.

Die Kamakura-Zeit markiert damit einen grundlegenden Wendepunkt in der japanischen Geschichte.

Literatur und Quellen

  1. Fachliteratur zur Militärgeschichte und Staatsstruktur der Kamakura-Zeit.
  2. Studien zur Kei-Schule und buddhistischen Bildhauerei des 12.–13. Jahrhunderts.
  3. Kataloge zu Rüstungen, Waffen und Handwerksobjekten des japanischen Mittelalters.

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