Bashōfu

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Bashōfu (芭蕉布) ist ein traditionelles Textil, das aus den Fasern der japanischen Faserbanane, lokal bekannt als Ito-Bashō (糸芭蕉, Musa basjoo), gewebt wird. Es wird hauptsächlich auf den Ryūkyū-Inseln, insbesondere im Dorf Kijoka auf Okinawa, hergestellt und zeichnet sich durch seine Leichtigkeit, natürliche Erdtöne und die enge kulturelle Verbindung zur traditionellen Kleidung der Ryūkyū-Inseln aus. 1974 wurde die Bashōfu-Herstellung als wichtiges immaterielles Kulturgut Japans anerkannt.

Geschichte

Die Verwendung von Textilien aus Bananenfasern in Okinawa lässt sich vermutlich auf über 600 Jahre zurückführen, in die Zeit des Ryūkyū-Königreichs. Vor der weitverbreiteten Einführung von Baumwolle und Seide war Bashōfu ein unverzichtbarer Alltagsstoff, der von Bürgern und Adeligen gleichermaßen getragen wurde. Jede Region der Ryūkyū-Inseln entwickelte eigene Webstile, doch die höchste Qualität des Bashōfu wird seit Langem mit Kijoka in Verbindung gebracht, wo die Webtechniken sorgsam über Generationen weitergegeben wurden.

Im 20. Jahrhundert bedrohten die Verbreitung industriell gefertigter Stoffe und der Rückgang des Anbaus der Faserbanane das Handwerk. Die Bemühungen um Erhalt und Wiederbelebung wurden maßgeblich von dem Meisterweber Takae Miyagi geleitet, dessen Arbeit entscheidend für den Erhalt der Tradition war.

Materialien

Bashōfu wird aus Ito-Bashō-Fasern hergestellt, die aus der inneren Rinde der Faserbanane gewonnen werden.

Der Herstellungsprozess ist arbeitsintensiv:

  • Reife Stängel werden geschnitten, geschält und gekocht.
  • Die inneren Fasern werden gespalten und zu feinen Strängen geschabt.
  • Die Fasern werden von Hand zu durchgehenden Fäden verzwirnt.

Das so entstandene Garn ist leicht, robust und atmungsaktiv.

Technik

Zu den wichtigsten Merkmalen der Bashōfu-Herstellung gehören:

  • Handspinnen von Bastfasern zu Garn
  • Kasuri-Musterung (Ikat) mit abbindegefärbten Fäden
  • Handweben an einem einfachen horizontalen Webstuhl

Die natürlichen Farben von Bashōfu reichen von hellem Beige bis zu warmem Braun. Für gemusterte Textilien werden mitunter Farbstoffe aus Pflanzen wie Fukugi und Indigo verwendet.

Der fertige Stoff zeichnet sich durch Folgendes aus:

  • Ein kühles, griffiges Gefühl
  • Einen dezenten Glanz
  • Eine charakteristische organische Textur

Kulturelle Bedeutung

Bashōfu diente nicht nur als Alltagskleidung, sondern war auch ein Symbol der Identität der Ryūkyū-Inseln und eng mit der Landwirtschaft der Inseln, der traditionellen Frauenarbeit und der gemeinschaftlichen Webkultur verbunden. Es ist nach wie vor ein Symbol des immateriellen Kulturerbes von Okinawa.

Aktueller Stand

Die Produktion wird aufrechterhalten durch:

  • Kijoka Bashōfu Kooperative
  • Lokale Programme zur Bewahrung der Kultur
  • Zertifizierte Kunsthandwerker

Heutige Verwendungszwecke:

  • Kimono und Obi
  • Zeremonielle Kleidung
  • Museumssammlungen und Ausstellungen zur Textilforschung

Aufgrund der Knappheit der Faser – des Bananenanbaus – und der Zeit, die für die Herstellung jedes einzelnen Fadens benötigt wird, wird Bashōfu nur in begrenzten Mengen produziert.

Siehe auch

Referenzen

  • 喜如嘉芭蕉布事業協同組合, 2010.
  • 竹内美智子(M. Takeuchi (日本の伝統織物事典』平凡社, 2014).
  • 日本民藝館 編『民藝の布』日本民藝協会, 2006.